St. Marien Labbeck

Prägendes Denkmal und Zeitzeuge der Entstehung des Ortskerns

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen unsere Marienkirche in Labbeck vorstellen. Herzliche Einladung auch persönlich vorbeizuschauen!

Geschichte von Kirche und Pfarrei

Erste Bestrebungen zum Kirchenbau in Labbeck sind aus dem Jahr 1859 überliefert, als der damalige Dechant Brockelmann aus Xanten bei einem Versehgang den beschwerlichen Weg kennenlernte, den die Gläubigen damals bis zur nächsten Kirche auf sich nehmen mussten. Die zum Großteil verstreut liegenden Häuser und Bauernschaften gehörten damals zu den Pfarren Xanten, Sonsbeck oder Marienbaum. Der heutige Ortskern war nur durch wenige einzelne Häuser geprägt. Nach jahrelangen Bemühungen und mehrmaligen Spendensammlungen war es schließlich im September 1864 soweit, dass auf einer im Dorf einberufenen Versammlung einstimmig der Bau einer Kirche in Labbeck beschlossen werden konnte.

In den Jahren 1869–1871 wurde die Kirche nach Plänen des Architekten Franz Pelzer aus Kleve errichtet. Noch im Jahr ihrer Fertigstellung wurde sie durch J. Troost, den gebürtigen Labbecker Pfarrer und damaligen Präses des Oratoriums zu Kevelaer, in einfacher Form eingesegnet und drei Jahre später von Bischof Johann Bernhard Brinkmann offiziell konsekriert. Als Patrozinium wählte man die unbefleckte Empfängnis der Gottesmutter Maria, welche wenige Jahre zuvor durch ein Dogma verkündet worden war. Fortan war man Filialgemeinde der Pfarre St. Viktor Xanten. Das Ziel der Gläubigen, vor Ort eine eigene Kirche zu errichten war erreicht.

Es folgten 1889 die Erhebung zu einem vermögensrechtlich selbständigen Rektorat und schließlich 1901 die Pfarrerhebung, bei der Labbeck unter Einbeziehung von Gebieten der Pfarren Xanten und Marienbaum zur eigenständigen Pfarre erhoben wurde.

Die Kriegsschäden der beiden folgenden Weltkriege waren vergleichsweise gering. Trotzdem mussten insbesondere nach 1945 mehrere Renovierungen und Reparaturen durchgeführt werden. Auch die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils in den 1960er-Jahren führten zu Veränderungen im Innenraum.

Der letzte eigene Pfarrer der Pfarrei St. Marien zu Labbeck war Otto Schürhoff. Nach seiner Emeritierung 1984 blieb er bis zu seinem Tod im Labbecker Pfarrhaus wohnen und kümmerte sich im Rahmen seiner gesundheitlichen Möglichkeiten weiter um die Seelsorge im Dorf.  Ab März 1991 wurde Labbeck fortan durch den Sonsbecker Pfarrer geleitet und pastoral betreut. Die Verwaltung ging an die Zentralrendantur Xanten über. 2001 wurde St. Marien Labbeck mit der Pfarre St. Maria Magdalena in Sonsbeck und der Rektoratsgemeinde St. Antonius in Hamb zu einer Seelsorgeeinheit zusammengefasst. Sechs Jahre später fusionierte man zur Pfarrei St. Maria Magdalena Sonsbeck; St. Marien wurde Filialkirche.

Architektur

Die Labbecker Marienkirche wurde in Anlehnung an die niederrheinische Baukunst des späten Mittelalters als einschiffiger Feldbrandklinkerbau mit Satteldach, Dachreiter und einem südseitigen zweigeschossigen Sakristeianbau errichtet. Sie lehnt sich an einen neugotischen Stil an und besitzt fünf Joche und einen im Chorraum nach Nordosten ausgerichteten 5/8-Schluss. Die Dienste der Kreuzrippengewölbe werden bis in das obere Drittel der Chorfenster herabgeführt und enden in einfachen runden Konsolen. Durch die langen Chorfenster, die fünf bzw. vier langen Fenster an der Nord- und Südseite sowie das große Westfenster entsteht der Eindruck eines hellen und lichterfüllten Saalbaus.

Mitte der 1960er-Jahre wurde der Chorraum im Inneren vergrößert und die Sakristei um einen eingeschossigen Anbau erweitert. In den 1970er-Jahren erhielt die Kirche den heutigen größeren und durch einen Windfang geschützten Eingang sowie eine kleine Nische im Nordwesten, in die ein Beichtstuhl eingebaut wurde. Zudem wurden einige umfassende Renovierungen durchgeführt, welche den Innenraum bis heute prägen.

Pfarrhaus

Das Pfarrhaus, als ehemalige Wohnstätte der Seelsorger und später auch Unterbringung des Pfarrbüros, wurde im Zuge des Kirchenbaus im Jahr 1871 als zweigeschossiger Backsteinbau mit Satteldach errichtet. Nach Osten schließt sich ein eingeschossiger Ausbau in gleichem Baustil an. An Geschoss-, Trauf- und Ortsgesims, sowie zwischen und unterhalb der Segmentbogenfenster zeigen sich historisierende Schmuckformen. An den Gebäudekanten finden sich schlichte filalenartige Eckbekrönungen.

Gemeinsam mit der Kirche und den umgebenden Freiräumen bildet es ein gut erhaltenes und anschauliches Zeugnis für ein ländliches Pfarrensemble. Auch wenn Labbeck als Siedlungsgebiet deutlich älter ist, hat doch erst die Errichtung dieses Ensembles zur Bildung eines Ortskerns und damit zur Entstehung eines Mittelpunktes für das gemeinschaftliche Leben geführt.

Chorfenster

Die fünf Chorfenster wurden 1958 nach Entwürfen der Künstlerin Trude Dinnendahl-Benning durch die Glasmalerei Wilhelm Derix (beide aus Düsseldorf-Kaiserwerth) geschaffen. Die drei mittleren Fenster, welche den Blick auf Altar- und Chorraum prägen, sind als Triptychon konzipiert und zeigen Szenen aus dem Leben Mariens.

Für die Kirche besonders bedeutsam ist die große und symbolhafte Darstellung der unbefleckten Jungfrau und Gottesmutter Maria, der Kirchenpatronin. Sie ist oben im linken Fenster zu sehen, dargestellt in Anlehnung an die Offenbarung des Johannes: mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen und mit zwölf Sternen bekränzt (Offb 12,1). Man sieht, wie sie der Schlange als Symbol der Erbsünde den Kopf zertritt, die Stammeltern Adam und Eva auf der linken Seite anblickt und mit der Hand auf die Erlösungstat Christi im mittleren Chorfenster hinweist – eine bildliche Verdeutlichung für alle Gläubigen, durch den Tod Christi am Kreuz von der Erbsünde des Adam erlöst zu sein. Darunter sieht man folglich die Verkündigung des Herrn, bei der Maria durch den Erzengel Gabriel eine Lilie als Symbol der Jungfräulichkeit überreicht bekommt (Lk 1,26-38).

Das mittlere Chorfenster zeigt in überlebensgroßer Darstellung den Tod Jesu; das Kreuz ist in grün als Farbe der Hoffnung im Hintergrund angedeutet. Unter dem Kreuz stehen die schmerzerfüllte Maria (links) und der Apostel Johannes (rechts). Er fasst sich erschrocken an die Brust und wird von Maria davon abgehalten vom Kreuz zu fliehen. Die Schriftrolle in seiner Hand weist auf das von ihm geschriebene Evangelium hin. Dass Jesus gerade ihm den Blick zuwendet spielt auf die Überlieferung an, nach der er ihn und seine Mutter Maria noch am Kreuz in ein Mutter-Sohn-Verhältnis gesetzt hat (Joh 19,25-27). Über dem Kreuz ist im stehenden Vierpass eine mit abstrakten Formen gebildete weiße Taube als Symbol des Heiligen Geistes zu erkennen.

Im rechten Fenster des Triptychons ist unten die Geburt Jesu dargestellt. Der über der Heiligen Familie stehende Stern strahl direkt auf das Kind in der Krippe und legitimiert es als den Sohn Gottes (Lk 2,6-7). Darüber ist in hellen und lichten Farben die Aufnahme und Krönung Mariens im Himmel durch ihren Sohn zu sehen.

Westfenster

Die Fenster im Langhaus wurden im Zuge einer groß angelegten Kirchenrenovierung in den Jahren um 1970 nach Entwürfen des Künstlers Heribert Reul aus Kevelaer durch die Firma Bongarts in Labbeck erneuert. Besonders zu beachten ist dabei das große Westfenster über der Empore, welches in Anlehnung an das linke Chorfenster nach Szenen der Offenbarung des Johannes gestaltet ist. Zu sehen ist mittig die Himmlische Stadt Jerusalem, angedeutet durch Miniaturbauten, Wohnhäuser und ein Kirchengebäude. Umgeben ist sie von einem quadratischen blau-grünen Band als Darstellung der Stadtmauer, in das in Form von weißen Punkten die 12 mit Edelsteinen besetzten Grundsteine eigearbeitet sind - sie sind das Symbol für die 12 Apostel. Daran anliegend zeigen sich die 12 Stadttore als Symbol für die 12 Stämme Israels und mit roten Ornamenten angedeutet die Flügel der auf den Toren sitzenden Engel. Innerhalb der Stadt ist in leuchtendem Gelb die wie aus Gold angelegte Straße zu erkennen.

In der oberen Rosette des Fensters thront über allem das Lamm Gottes. Rundum finden sich in abstrakten Andeutungen die Flügel der sieben Engel, unterstützt durch die etwas tiefer zu sehenden sieben Sterne. Zur Verdeutlichung der Aussage, dass Christus als das Lamm Gottes das Licht der Welt ist und es in der Stadt weder Sonne noch Mond braucht, sind in den beiden stehenden Vierpässen insgesamt sieben Leuchter zu sehen. Das vom Lamm Gottes her auf die Stadt strömende Wasser des Lebens stellt Reul in den vier Fensterbahnen durch horizontal auf die Stadt zulaufende blaue Streifen und wellenhafte, nach unten deutende Bewegungen dar (Offb 21,9 – 22,5).

Weitere Ausstattung

Taufstein, Tabernakel, Altar und Ambo

Zu Beginn der 1970er-Jahre wurden ein neuer Altar, ein Taufstein und eine Tabernakelstele für die Kirche gefertigt; kurze Zeit später kam ein Ambo hinzu. Das Ensemble besteht aus belgischem Granit und wurde von Heribert Reul entworfen. Zudem fertigte er einen Deckel für den Taufstein an, auf dem er die Symbole für die Dreifaltigkeit platzierte: das Kreuz mit den Wundmalen für Jesus Christus, die Taube als Symbol für den Heiligen Geist und die Hand für den Vater als Ausdruck des Schöpfers und Lenkers der Welt.

Auf der neuen Stele kam ein ebenfalls von Reul entworfener Tabernakel zu stehen. Er ist aus Edelmetall gefertigt und besitzt einen gelb-goldenen Glanz. Auf der Vorderseite ist mittig ein Kreuz platziert, welches von den griechischen Worten ΦΩΣ (gesprochen „phós“, dt. Licht) und ΖΩΗ (gesprochen „zoé“, dt. Leben) gerahmt wird.

Großgemälde der Hochzeit zu Kana

Auf der südlichen Seite der Kirche hängt über der Sakristeitür das Großgemälde der Hochzeit zu Kana, auf der Jesus öffentlich Wasser zu Wein verwandelt (Joh 2,1-12). Es entstand vermutlich um 1780 in den südlichen Niederlanden und damit einige Zeit vor dem Kirchenbau. Wann und wie es nach Labbeck gelangte ist nicht bekannt. Die Nische in der es steht war ursprünglich geöffnet, sodass eine kleine Seitenempore über der Sakristei entstand.

Pelikan-Graffito

Geschaffen wurde das Werk 1990 als Kratzmalerei auf einer kupfergerahmten Platte durch den Kevelaerer Künstler Heribert Reul als 80. Geburtstagsgeschenk der Pfarrgemeinde an Pfarrer Schürhoff. Es zeigt einen Pelikan, der einer Legende nach seine Jungen mit dem eigenen Fleisch und Blut füttert. Dies wurde bereits in der Antike mit dem hingebenden Tod Christi verbunden und ist bis heute ein Sinnbild für Christus und die Tugend der Nächstenliebe.

 

 

Orgel

Der frühste Hinweis auf eine Orgel in der Kirche stammt aus dem Jahr 1901. Zudem ist belegt, dass 1929 eine neue Orgel der Firma Seifert aus Kevelaer in der Kirche aufgestellt wurde, welche im Zweiten Weltkrieg jedoch stark beschädigt wurde. Man begnügte sich fortan mit einer elektronischen Orgel, bis man 1989 die noch heute vorhandene Orgel der Firma Walcker erwarb. Das Instrument wurde 1966 als Serienmodell E8 (op. 4.935) erbaut und stammt ursprünglich aus der kath. Kirche St. Nikolaus in Orsoy, Rheinberg. Aufgestellt ist es in der nordwestlichen Ecke der Kirche auf einer großzügigen Empore.

Weitere Informationen sind HIER verfügbar.

Friedhof mit Gefallenendenkmal

Der Friedhof wurde 1901 im Zuge der Pfarrerhebung angelegt und liegt ca. 150 m nördlich der Kirche. Für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs war 1922 ein Denkmal errichtet worden, welches Ende der 1950er-Jahre verlegt und zum Andenken an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen und vermissten Soldaten erneuert wurde. Das neue Mahnmal erhielt die Gestalt einer halb geöffneten Kapelle und ist von einer gärtnerischen Anlage umgeben. Im Inneren befindet sich ein von Heribert Reul entworfenes Mosaik. Es zeigt den aus einem Sarg emporsteigenden Christus, wie er mit seiner Hand auf die Namen der Kriegsopfer deutet.

 

Informationen zu möglichen Bestattungsformen auf dem Labbecker Friedhof erhalten Sie HIER.

Luftaufnahme: Frank Klier,
übrige Fotos: Fabian Ververs


Quellen und weitere Informationen

  • Schürhoff, Otto, Chronik der Pfarrgemeinde Labbeck. Nach alten Chroniken zusammengestellt von Pfarrer Schürhoff, Selbstverlag, Labbeck 1963.
  • Remy, Wilhelm, Kirche und Pfarrgemeinde Labbeck, Selbstverlag, Labbeck 2018.

  • Wensky, Margret (Hg.), Sonsbeck. Die Geschichte der niederrheinischen Gemeinde von der Frühzeit bis zur Gegenwart, Böhlau Verlag, Köln 2003.

  • Roßhoff, Bernhard, Gemeinde Sonsbeck am Niederrhein. Rheinische Kunststätten Heft 313, Neusser Druckerei und Verlag GmbH, Neuss 1986.

  • Gemeinde Sonsbeck, Denkmalliste, unter diesem Link.

  • Berner, Claus, Darstellungen des Himmlischen Jerusalems, Fenster aus St. Marien in Labbeck (1969) von Heribert Reul, unter diesem Link.

  • Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V., Kath. Kirche St. Mariä Empfängnis Sonsbeck-Labbeck, unter diesem Link.

  • Verein für Denkmalpflege Sonsbeck e.V., Sehenswürdigkeiten der Gemeinde Sonsbeck unter diesem Link.

Die Kirche steht gegründet allein auf Jesus Christ, sie, die des großen Gottes erneute Schöpfung ist.

Gotteslob 482,1

Übersicht der zuständigen Seelsorger

  • Pfr. em. Theodor Kempkes (1871-1877)
  • Kpl. Gerhard Awater (1884-1889)
  • Rkt. May (1889-1897)
  • Rkt./Pfr. Friedrich Bormann (1897-1903)
  • Pfr. Konrad van Aerssen (1903-1928)
  • Kpl. Roth (1928, Sonsbeck)
  • Pfr. Gottfried Hoogen (1928-1949)
  • Pfr. Paul Mühlsiepe (1950-1955)
  • Pfr. Otto Schürhoff (1955-1984)
  • Pfr. Joseph Beerepooth (1985-1990, Lüttingen)
  • Pfr. em. Ludwig Schetter (1991-2006, Unterstützend)

 

Ab 1991 wurde die Pfarre in Personalunion durch den Sonsbecker Pfarrer geleitet (siehe dort).

Küsterin
Kati Theunissen

Telefon: 02801/9864825
E-mail: theunissen@bistum-muenster.de